Mittwoch, 23. August 2017

Durchlauf- und Montagezeit markant reduziert

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Referenzlösung Bernina International AG, Steckborn, von Ruedi Graf, Wertfabrik AG Seuzach

Im Jahr 2012 stellte die Bernina International AG die gesamte Montage von High-End-Nähmaschinen am Hauptsitz in Steckborn um. Das Resultat ist eine One-Piece-Flow-Endmontage. Die neu entstandenen Fliessfertigungslinien für verschiedene Nähmaschinenmodelle und eine angepasste Materiallogistik führten rasch zu erfreulichen Ergebnissen. Wertfabrik durfte das Bernina-Team in diesem Projekt aktiv begleiten.

Einige Hürden hinderten die Montage am Fluss, als Wertfabrik Anfang 2012 das Projekt bei der Bernina International AG in Steckborn startete. Und wie präsentiert sich die Situation heute? Die Durchlaufzeiten sind um 85 Prozent und die Montagezeiten um 13 Prozent tiefer. «Dieses Ergebnis freut uns sehr. Ruedi Graf von Wertfabrik hat uns jederzeit professionell unterstützt und begleitet», so Manuel Schindler, Leiter des Werks in Steckborn.

Ausgangslage

Bernina ist einer der weltweit führenden Hersteller von Näh- und Stickcomputern. Das Familienunternehmen in Steckborn war seit längerer Zeit mehrfach gefordert: Die Fabrik in Steckborn konnte auf schwankende Absatzmengen des Marktes nur schleppend reagieren, und hohe Warenbestände führten oft zu viel Verschwendung. Die Bernina-Verantwortlichen reagierten mit einer Lean-Initiative und setzten sich und Wertfabrik ambitiöse Ziele: eine Reduktion der Ware in Arbeit um 70 bis 80 Prozent, eine Produktionssteigerung um 10 bis 20 Prozent und eine Verringerung der Durchlaufzeit um 50 bis 80 Prozent. Gleichzeitig galt es, die wachsenden Anforderungen an die ESD-Tauglichkeit (ESD: electrostatic discharge, elektrostatische Entladung von elektrisch aufgeladenen Personen oder Gegenständen) zu berücksichtigen. Die Montage sollte zudem für Kundenbesuche attraktiver gestaltet werden.

Lösung

Gemeinsam mit Wertfabrik realisierte Bernina zwei komplett neue Fliessfertigungslinien und überführte diese in einen stabilen Prozess. Gleichzeitig wurde die gesamte Materiallogistik zwischen Hauptlager und Montagelinien durch ein Behälter-Kanban-System angebunden.

Montage im One-Piece-Flow

Die Vormontageplätze, die zuvor in anderen Räumen untergebracht waren, wurden in die Endmontagelinie integriert. Dadurch gelang es, die Überproduktion in den beste-henden Montagelinien zu verringern. Um gleichermassen die Durchlaufzeit zu minimieren, wurden die verschiedenen Nähmaschinenmodelle auf zwei Fliessfertigungslinien aufgeteilt.

Die sehr komplexe Montage mit vielen manuellen Einstellparametern machte es zudem notwendig, die Arbeitsplätze noch ergonomischer zu gestalten. Eine weitere Herausforderung stellte die Umstellung auf ESD-taugliche Arbeitsplätze dar, die von der Leitfähigkeit aller Arbeitsplätze bis zur ESD-Tauglichkeit von Schuhen und Kleidung der Mitarbeitenden reichte.

Für die Umsetzung der Linien diente ein Cardboard-Modell im Massstab 1 : 1 eines einzelnen Arbeitsplatzes als Vorlage. Nach erfolgreicher Prüfung und der Umsetzung aller notwendigen Arbeitsstationen standen die ersten Nähmaschinen auf der neuen Linie bereit. Und das bereits zwei Wochen nach Stilllegung der bestehenden Arbeitsplätze.

Materiallogistik im Behälter-Kanban-System

Für die Optimierung der Materiallogistik wurden fast 100 Palettenplätze von der Endmontage zurück ins Lager versetzt. Gleichzeitig wurde eine Logistikroute eingeführt. Sie versorgt die Endmontage mehrmals täglich mit Material und führt sämtliche Buchungen über eine Scanneranbindung aus.

Der Tagesbedarf an Material steht neu in zwei Behältern bereit (2-Behälter-Kanban-System). Sobald ein Behälter kein Material mehr enthält, wird dieser in die Rückgabezone gelegt und innerhalb von 24 Stunden wieder gefüllt.

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Materialbereitstellung und -rückführung

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Nähmaschinenmontage im One-Piece-Flow

Resultat

Durch die Umstellung der Montage ist die Durchlaufzeit massiv kürzer. Zudem erlaubt es die erlangte Flexibilität nun, rasch auf die schwankenden Marktbedürfnisse zu reagieren. Dank der Optimierung der Logistik ist sichergestellt, dass es insgesamt weniger Material in den Montagebereichen hat und auch der Suchaufwand massiv kleiner ist.

Nicht nur wurden die eigentlichen Ziele erreicht, auch der Lagerbestand hat sich erheblich reduziert. Dies, weil durch die Reduzierung des Materials Teilebestellungen später ausgelöst werden und somit der Lagerbestand kontinuierlich gesenkt wird. Für Manuel Schindler ist klar: «Mit Wertfabrik zusammenzuarbeiten, war der richtige Entscheid.»

Weitere Informationen zur Bernina International AG finden Sie unter www.bernina.com

Projektverantwortliche

Manuel Schindler, Leitung Werk Steckborn, Bernina International AG, Steckborn
Ruedi Graf, Senior Consultant und Partner, Wertfabrik AG, Seuzach

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