Montag, 25. September 2017

Die schlummernde Finanzkraft der Lieferketten


Die meisten Unternehmen sehen prinzipiell einen großen Nutzen darin, ihre Bestände gemeinsam mit ihren Supply Chain- oder Logistikpartnern zu finanzieren. In der Realität setzen aber nur wenige solche kooperativen Finanzierungsstrategien um. Camelot Management Consultants AG und die Technische Universität Darmstadt haben in einer branchenübergreifenden Studie analysiert, warum das so ist, in welchen Bereichen eine Bestandsfinanzierung durch Logistikdienstleister Erfolg verspricht und welche einzelnen Schritte ein solcher Prozess erfordert.

„Unternehmen, die ihre Lieferkette außergewöhnlich erfolgreich managen, zeichnen sich dadurch aus, dass sie den Wertbeitrag von Logistik und Supply Chain Management zu ihrem Unternehmensergebnis genau kennen – und diesen Beitrag konsequent auch von ihren Logistikpartnern einfordern", sagt Dr. Josef Packowski, Managing Partner von Camelot Management Consultants. „Die Bereiche Logistik und Supply Chain Management sind für sie häufig sogar genauso wichtig für den cash flow wie der Bereich Corporate Finance."

In der branchenübergreifenden Studie „Bestandsfinanzierung durch Logistikdienstleister" hat die Strategie- und Prozessberatung Camelot Management Consultants gemeinsam mit der Technischen Universität Darmstadt diese kooperativen Finanzierungsmodelle detailliert untersucht. Ergebnis: Mehr als 80% der Befragten gaben an, ihre Lagerbestände seien in der Krise zu hoch gewesen – und das, obwohl sie wussten, dass diese den größten Hebel zur Verbesserung der Liquidität darstellen. Besonders Bestandsgruppen wie Packmittel, Rohstoffe und Handelsware halten sie demnach für eine Finanzierung durch Logistikdienstleister geeignet. Camelot Co-Autor Joachim Getto: „Mit dem raschen Wiederanspringen der Wirtschaft hat der Druck auf die Unternehmen, solche Kooperationen einzugehen, deutlich nachgelassen. Dabei können diese nicht nur in Krisenzeiten große Vorteile für beide Seiten bieten."

Kooperationen in der Bestandsfinanzierung: Im Prinzip ja

Zwar gaben fast alle Studienteilnehmer (98%) an, eine optimierte Strategie in der Logistikfinanzierung und die Kooperation mit Dienstleistern könne die Liquiditätsversorgung ihres Unternehmens grundsätzlich verbessern, und nur 26% gehen davon aus, dass dies einen „hohen organisatorischen Aufwand" erfordere. Dennoch glaubt fast die Hälfte (47%), dass solche innovativen Modelle sowohl in ihrem Unternehmen als auch in ihrer gesamten Branche abgelehnt würden. Nur 4% nutzen sie bereits.

„Das lässt sich dadurch erklären, dass noch zu wenige Erfolgsgeschichten in der Branche bekannt sind und sich die meisten Entscheider daher noch nicht mit solchen Finanzierungsmodellen auseinander gesetzt haben", sagt Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Christian Pfohl, von der Technischen Universität Darmstadt. „Dabei sind sie einer der wesentlichen Schlüssel, um die Liquidität eines Unternehmens gerade in Krisenzeiten deutlich zu verbessern – wenn die Ziele der Partner im Einzelfall identisch sind und zuvor klar definiert werden."

Viele Studienteilnehmer gaben als Hindernis an, ihr Unternehmen wünsche keine zu enge Bindung an einen externen Dienstleister. „Dabei punkten die Supply Chain Champions gerade damit, dass sie die Verantwortung für ihren cash flow nicht nur über ihr gesamtes Unternehmen verteilen, sondern auch Dienstleister mit einzubeziehen", sagt Pfohl.

Das Ergebnis gibt ihnen Recht. „Die Kooperation kann deutlich über die bekannte Kontraktlogistik hinausgehen. Zum Beispiel lassen sich auch Zoll-Abfertigung, Konfektionierung und Factoring so auslagern, dass beide Seiten davon profitieren", sagt Packowski. „Industrieunternehmen, die sich für ein erweitertes Bestandsmanagement interessieren, sollten zunächst die damit verbundenen Chancen und Risiken abwägen, dann die entsprechenden Mittel zur Umsetzung prüfen und aufeinander abstimmen, sowie schließlich die geeigneten Supply Chain-Partner für eine langfristige Zusammenarbeit innerhalb ihrer Lieferkette identifizieren."

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