Donnerstag, 23. November 2017

Supply Chain Management im Wandel

Professor_Dr_Thonemann
Im Vorfeld des Neunten Gipfels für Supply Chain Management sprach Professor Dr. Ulrich Thonemann mit marcus evans (Europe) Limited über die erfolgreiche Steuerung von Waren- und Informationsflüssen und gab Einblicke in die zukünftigen Chancen und Herausforderungen für Supply Chain Manager.

Was Logistik mit HR zu tun hat
Der Supply Chain Manager hatte bis vor einigen Jahren die Aufgabe, den Warenfluss bei Produktion und Logistik zu optimieren. Mittlerweile aber liegt der Fokus nicht mehr auf Einzelfunktionen, sondern es besteht die Forderung, Waren- und zusätzlich Informationsflüsse über die Abteilungen hinweg zu integrieren und aufeinander abzustimmen.

Beispielsweise braucht die Produktion eine ordentliche Nachfrageprognose vom Vertrieb, um festlegen zu können, wann wie viel produziert und bestellt werden muss. Im Gegenzug kann der Vertrieb aber nur die Mengen verkaufen, die produziert wurden. Supply Chain Manager müssen die Wichtigkeit guter Prognosen kommunizieren und ggf. auch an der Mitgestaltung von Bonussystemen mitwirken, um den Vertriebsmitarbeitern Anreize für die Erstellung von guten Prognosen zu geben, anstatt nur den reinen Verkauf zu entlohnen.

Immer wichtiger für das Tagesgeschäft des Supply Chain Managers wird auch die Abstimmung mit vor- und nachgelagerten Stufen. So ist es zum Beispiel für einen Hersteller wichtig, informiert zu werden, wenn Händler Aktionen planen, um die Produktion entsprechend darauf einzustellen. Das Themenspektrum im Supply Chain Management hat sich ungemein erweitert, von der Organisation und Struktur von Prozessen und Personal über Anreizsysteme und deren Umsetzung bis hin zu Überzeugungsarbeit bei Geschäftspartnern und Teams.

Lean = Green? Nicht immer!
Im Supply Chain Management selbst gilt es derzeit immer mehr, „Lean" und „Green" zu realisieren und in Einklang zu bringen. Im Optimalfall bedeutet dies Produktion von günstigen Waren in guter Qualität mit geringem CO2-Ausstoß, ohne Verschwendung von Materialien und zur Erfüllung aller Kundenerwartungen, die an dieses Produkt gestellt werden. Hierzu ist eine exakte Planung notwendig, um durch CO2-arme Herstellung und Beschaffung auch Kosten einzusparen.

In der Regel gehen diese beiden Ziele miteinander einher. Muss ein Unternehmen jedoch erheblich mehr investieren, um viel CO2 einzusparen, fällt die Entscheidung nicht immer zu Gunsten der Umwelt aus. Hinzu kommt außerdem das Problem der mangelnden Transparenz für den Kunden trotz Marktdruck durch die Konsumenten: Die Transport- und Produktionswege und dadurch entstandenen CO2-Werte sind in der Regel nicht auf dem Produkt vermerkt; höchstens beim Autokauf oder bei einigen wenigen Fluggesellschaften werden solche Werte angezeigt.

Neue Herausforderungen für neue Supply Chain Manager
Als zukünftige Herausforderungen können zwei Entwicklungen identifiziert werden: Aus technischer Sicht ist und bleibt das RFID-System bereits seit etwa zehn Jahren in der Diskussion. Das RFID-System ähnelt dem Barcode, allerdings ist der Transponder programmierbar und es können sehr viel mehr Daten darauf gespeichert und Funktionen damit ausgeführt werden. Diese Technik befindet sich jedoch in vielen Unternehmen noch in der Pilotphase und wird noch nicht flächendeckend eingesetzt.

Die logische Weiterentwicklung dieses Verfahrens nennt sich Internet of Things, zu Deutsch Internet der Dinge, und beschäftigt sich mit der elektronischen Vernetzung von Gegenständen unter Zuhilfenahme von Sensorik. Eine Einsatzmöglichkeit liegt zum Beispiel in der Vernetzung von Produkten mit deren Transportroute: Eine Lieferung Käse steht bereits seit einiger Zeit bei München im Stau. Die Sensoren der Transponder kommen zu dem Ergebnis, dass die Produkte bald nicht mehr ausreichend gekühlt werden. Die Konsequenz daraus ist ein selbststeuerndes Produkt, dass die Transportroute anstatt in einer Filiale in Norddeutschland nun auf einen Standort in der Nähe umleitet und damit den Verfall der Produkte verhindert.

Die zweite Veränderung betrifft die Entwicklung und Zusammensetzung der Lieferkette: Es gibt nicht mehr nur ein Unternehmen und eine Lieferkette. Zunehmend wird das Supply Chain Management auf die Bedürfnisse von Kundengruppen hin ausgerichtet, das heißt Customer-Back. Für das hochpreisige Kleidungssortiment werden Unternehmen eine entsprechend flexible Lieferkette mit schnellen Reaktionsmöglichkeiten auswählen, zum Beispiel mit Produktionsstätten in Europa. Für einfache weiße T-Shirts allerdings können auch unflexible, aber kostengünstige Produktionsstätten genutzt werden, beispielsweise in China oder Bangladesch.

Der Schlüssel zum Erfolg
Der moderne Supply Chain Manager muss sich dahingehend entwickeln, auch übergreifende Themen lösen zu können und Abteilungen nicht gesondert zu betrachten. Alle Bereiche des Unternehmens von Strategie über Controlling bis zum Vertrieb müssen unter dem Supply Chain Management auf die Kombination von Kostenreduktion und gleichzeitig besserem Service ausgerichtet werden.

Zur Person
Als Vorsitzender des Ersten Fachgipfels für Supply Chain Management stellt Professor Dr. Ulrich Thonemann im Kempinski Hotel Berlin das Thema „Supply Chain Optimierungen erfolgreich managen" vor. Als Direktor des Seminars für Supply Chain Management & Management Science an der Universität zu Köln gehören Produktions-, Service- und Logistikmanagement seit Jahren zu den Kernpunkten seiner Forschungen.

Zur Veranstaltung
Zum neunten Mal treffen sich Vorstände und Leiter aus unterschiedlichen Industriesektoren, um sich über aktuelle Gegebenheiten und Neuerungen im Supply Chain Management zu informieren und über Problemstellungen zu diskutieren. Im neuen Format eines Fachgipfels wird das marcus evans Event vom 9. bis 10. September 2010 erstmalig in Deutschland stattfinden.

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