Mittwoch, 22. November 2017
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Prozessoptimierung in Zeiten Industrie 4.0

Wenn man von Industrie 4.0 redet, was versteht man eigentlich darunter? Vereinfacht gesagt soll der Begriff die vierte industrielle Revolution bezeichnen. Dahinter steckt die Vernetzung intelligenter Produkte mit Lieferketten und Fabriken. Industrie 4.0 ist sozusagen ein Sammelbegriff für nächste große industrielle Innovationen.


2. Historie und Vorläufer

Industrie 4.0 hat sich in den letzten Jahren aus der steigenden Vernetzung einzelner Arbeitsbereiche und internet-basierter Informationsflüsse entwickelt. Die Anfänge computer-unterstützter Fertigung reichen bis in die 60er Jahre zurück und das Konzept des Computer Integrated Manufacturing (CIM) gibt es seit Anfang der 70er. Damals ging es noch hauptsächlich um Insellösungen, aber mit den Jahren wurde versucht, die vernetzten Bereiche zu erweitern.

3. Technische und organisatorische Anforderungen an ein Unternehmen

Unternehmen haben heute in der Regel eine gute bis sehr gute Ausstattung an Hardware. Bei der Software – vor allem im administrativen Bereich – finden sich hauptsächlich Microsoft-Produkte und oft SAP. Aber wie sieht es mit den Voraussetzungen für eine Vernetzung von der Qualität eines Konzeptes wie Industrie 4.0 aus?

Für die Umsetzung eines übergreifenden Konzeptes benötigt man mehr als das reine technische System. Man hat es bei Industrie 4.0 mit einem Konzept zu tun, das alle betrieblichen Bereiche durchdringt und das über die technischen Anforderungen hinaus auch große organisatorische Anforderungen hat. Während sich technische Neuerungen oft problemlos in die betriebliche Struktur einbinden lassen, ist dies bei organisatorischen Veränderungen nicht ganz so einfach.

Bei einem komplexen System wie Industrie 4.0 handelt es sich eben nicht nur um die Einführung einer neuen Software oder einer technischen Anlage, sondern um einen massiven Eingriff in die betrieblichen Prozesse, der nicht durch simplen Schulungsaufwand an den Mitarbeiter gebracht werden kann.

Industrie 4.0 bedeutet, dass sich ganze Informationsströme verändern und dass zum Funktionieren des Systems diese Informationen in der richtigen Form, an der richtigen Stelle und zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung stehen müssen. Man spricht vom Übergang von Abteilungsprozessen zu einem in sich kompatiblen Betriebsprozess. Die Voraussetzung hierfür ist eine funktionierende vertikale und horizontale Kommunikation bzw. Datenaustausch, der Informationen schnittstellenübergreifend, transparent und in Echtzeit transportiert.

4. Aktueller Stand in den Unternehmen

Technisch wäre dieser Informationsfluss heute kein echtes Problem mehr, aber er wird in den meisten Firmen nicht gelebt und es fehlen meist auch einige Voraussetzungen. Angefangen bei der Datenpflege bis hin zur transparenten und bereichsübergreifenden Kommunikation.

Cross-funktionale Informationsflüsse entlang der gesamten Lieferkette sind auch heute noch eher selten anzutreffen. Dies hat im Allgemeinen mehrere Ursachen, die vor allem in der Kommunikation liegen. Sowohl in der vertikalen, also vom Vorgesetzten zum Mitarbeiter und zurück, als auch in der horizontalen Kommunikation, also die zwischen den Abteilungen untereinander bzw. zum Kunden und Lieferanten.

5. Lösungsansätze

Das Ziel für Unternehmen sollte es sein, betriebliche Prozesse zu erhalten, die in der Lage sind den Voraussetzungen für ein funktionierendes Konzept Industrie 4.0 zu genügen. Seit vielen Jahren liest man in Imagebroschüren „Der Mensch im Mittelpunkt“ oder ähnliches.

Aber wird danach auch wirklich gearbeitet?

Im Endeffekt zählen für Unternehmen immer die harten Fakten und die Ergebnisse. Wer nicht mitzieht, der ist schneller draußen, als er sich umsehen kann. Diese Art der Führungskultur wird es definitiv erschweren, ein System einzuführen, für das nicht nur die Beherrschung der Technologie wichtig ist, sondern auch die richtige Einstellung zum Thema. Schlussendlich heißt dies nichts anderes, als dass man den Menschen tatsächlich in den Mittelpunkt stellen muss, wenn man Industrie 4.0 erfolgreich einsetzen will.

Was bedeutet dies aber konkret?

In vielen Unternehmen werden Softwaresysteme eingesetzt, die, wenn man sie richtig nutzt, den Anforderungen tatsächlich genügen. Derartige Software bildet meist einen Prozess ab, der das Unternehmen in die Lage versetzt, an den Schnittstellen einen Informationsaustausch zu gewährleisten, wie er für eine Philosophie wie Industrie 4.0 lebensnotwendig ist. Entscheidend ist, dass eine Kommunikation zustande kommt, die die gesamte Lieferkette erfasst. Vom Kunden bis zum Lieferanten und wieder zurück; diese Kette muss zum Funktionieren gebracht werden und die Informationen zum Fließen. Vom Kunden müssen z.B. die richtigen Bedarfe kommen, diese müssen intern korrekt und zeitnah verarbeitet und an den Lieferanten weitergeleitet werden. So kann die Fertigung effizient produzieren und die Warenströme können optimiert bzw. Bestände minimiert werden.

Die Software ist das Eine, wie aber sieht es mit der menschlichen Komponente dahinter aus?

Speziell beim Thema Industrie 4.0 ist bei den Menschen eine große Verunsicherung zu spüren, da niemand genau weiß, was auf sie zukommt und ob die eigene Existenz dadurch bedroht wird. Daher ist es sinnvoll und notwendig die nachhaltige Integration von Neuerungen ins Unternehmen mithilfe eines professionellen Change Managements durchzuführen.

Denn das Management ist bei Industrie 4.0 nur die halbe Miete. Auch die Mitarbeiter müssen das Konzept mittragen, damit es Erfolg haben kann. Alle eventuellen Bedenken müssen durch das Management zuerst und vollständig ausgeräumt werden. Im Speziellen bedeutet dies, dass die Mitarbeiter in die Entscheidungsprozesse eingebunden werden müssen. Denn nur so gelingt es, Vorbehalte auszuräumen.

Des Weiteren müssen die Mitarbeiter befähigt werden, die neuen Herausforderungen zu meistern. Hier steht an erster Stelle der Schulungsbedarf.

6. Zusammenfassung und Ausblick

Konzepte wie Industrie 4.0 sind Führungsaufgaben. Sie müssen vom Top-Management getragen sein. Darüber hinaus müssen die Mitarbeiter am Entscheidungsprozess beteiligt werden und die richtigen Personen müssen am richtigen Platz eingesetzt werden. Zielvereinbarungen sollten überdacht und den neuen Gegebenheiten angepasst werden.

Man benötigt ein Change Management, das Unternehmen befähigt, die Mitarbeiter in die Veränderungsprozesse mit einzubeziehen. Die Mitarbeiter müssen darüber hinaus angemessen geschult werden.

Aus Abteilungsprozessen müssen gesamtbetriebliche Prozesse werden. Schnittstellen müssen beseitigt werden durch den Einsatz geeigneter Systeme und einer vollständigen und dauerhaften Pflege der Stamm- und Bewegungsdaten.

Wenn es gelingt, diese Anforderungen ganz oder zum großen Teil umzusetzen, gelingt es auch ein Konzept wie Industrie 4.0 umzusetzen. Gerne beantworten die Experten von unitepeople mit Herrn Schumacher Ihre Fragen hierzu.

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