Montag, 25. September 2017
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Eine Erfahrung auf dem Weg zur „Lernenden Organisation“

Redaktioneller Beitrag von Friedrich Karl Dürst, Head of Corporate Lean Management bei der Rohde & Schwarz GmbH & Co. KG in München
Die zunehmende Globalisierung und die Öffnung der Märkte fordert von Unternehmen eine ständige Adaption an neue Bedingungen. Neben den raschen Innovationszyklen verlangen Kunden günstigste Preise bei kurzen Lieferzeiten und höchster Qualität. Um als global agierendes Unternehmen auf diesen roten Ozeanen zu überleben, ist eine Anpassung alter Denkmuster und ein kontinuierlicher Verbesserungs- und Veränderungsprozess unumgänglich.

Die konsequente Ausrichtung aller Bereiche eines Unternehmens auf das Wertesystem der Kunden ist die Voraussetzung, um auf den Weltmärkten erfolgreich zu bleiben und blaue Ozeane zu besegeln. Die Antwort des  Unternehmensbereichs für Produktion und Materialwirtschaft von Rohde&Schwarz auf diese Begebenheit ist der Just-in-time Ansatz. Bei Rohde&Schwarz erkannte man früh die Vorteile von Just-intime. Bereits 1985 gab es mit dem Projekt „FLUSS" die ersten Gehversuche. Etliche Projekte in den darauf folgenden Jahren hatten die eine erhebliche Verbesserung in den Abläufen zur Folge. Schließlich erkannte man jedoch, dass man mit rein singulären Prozessverbesserungen an Grenzen stößt.

Im Jahr 2011 erfolgte daraufhin der Auftrag des Managements für eine Überarbeitung und eine Anpassung des eingeschlagenen Weges. Die Erkenntnis der Verantwortlichen war, dass nur die eindeutige Kombination von Methoden und Führung das Unternehmen näher an den Systemzustand Just-in-time bringt. Heute im Jahr 2015 ist Just-in-time ein essentieller Bestandteil des Unternehmensbereichs. Das Produktionsleitbild ist dabei der Überbegriff für das Produktionssystem, das durch eine strukturierte Vorgehensweise und systemischen Ansatz alle Aktivitäten auf eine gemeinsame Richtung, dem sogenannten Nordstern, ausrichtet. Der Indikator „Tagesfabrik" mit der Endline „Heute bestellt, morgen eliefert" gibt dabei zu jeder Zeit einen Wegweiser, an den sich alle Beteiligten bei Entscheidungen halten können.

Als die Herausforderung bei der Veränderung des soziotechnischen Systems zeigt sich neben der hohen Komplexität der Produkte bei hoher Fertigungstiefe der Change-Prozess. Wo eine Änderung technischer Prozesse mittels linearer Argumente beschrieben und bewertet wird, folgen die Verhaltensänderung jedes Einzelnen der Organisation anderen Gesetzen. Eine der Erkenntnisse auf dem Weg zum Nordstern ist, dass die Anpassung der Strategien, Strukturen, Prozesse und Verhaltensweisen mit gewaltigen und zeitintensiven Anstrengungen verbunden sind.

Zudem sind die einzelnen Schritte der Veränderung im vornherein nicht terminierbar. Gerade herkömmliche auslastungsorientierte und kennzahlgeführte Bereiche der Organisation haben damit in großem Maße zu kämpfen. Um diesen Change für den Unternehmensbereich als Ganzes zu stemmen, sind folglich eine Abkehr von alten Glaubenssätzen und Verhaltensweisen, und das Etablieren von neuen Wertemustern und Vorgehensweisen unumgänglich.

Im Rahmen des Produktionsleitbildes ist deswegen die Veränderungsfähigkeit aller Führungsebenen in der Organisation das Entscheidende. Die Führung muss die Dringlichkeit einer Veränderung erkennen, die Notwendigkeit zur Veränderung akzeptieren und die Bereitschaft zum Musterbruch durch eine Änderung der eigenen Verhaltensweise zeigen.

Das Zusammenspiel von Methoden (sachlichrational) und Führung (sozial-emotional) ist der entscheidende Baustein.

Vor allem die Berücksichtigung der Bedürfnisse der Betroffenen in der Organisation beim Heben von betriebswirtschaftlichen Potentialen stellt sich dabei als der Hebel dar. Die individuellen Bedürfnisse in Einklang mit der Strategie zu bringen, schaffen das Vertrauen und schließlich die Bereitschaft zum Change.

Somit übernimmt besonders das obere Management durch Beharrlichkeit, Geduld und Offenheit die Verantwortung für das Gelingen einer wirkungsvollen und nachhaltigen Veränderung. Die Globalisierung stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen. Ein Umdenken ist für die Zukunft notwendig. Der Unternehmensbereich für Produktion und Materialwirtschaft von Rohde&Schwarz hat mit dem Produktionsleitbild die Weichen für die Zukunft gestellt.

Friedrich Dürst, Head of Corporate Lean Management bei der Rohde & Schwarz GmbH & Co. KG in München, wird auf der Production Systems 2015 zum Thema „Das Produktionsleitbild - Eine Erfahrung auf dem Weg zur Lernenden Organisation" sprechen: 16. Leitveranstaltung für Lean Management Production Systems 2015 19. und 20. Mai 2015 in Stuttgart

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