Dienstag, 19. September 2017
Daniel Kobler

Lean @ Ricola - wer will gefordert werden?

Production Systems 2015 - Die Leitveranstaltung für Lean Management, redaktioneller Beitrag von Daniel Kobler „Starker Franken: Exportindustrie leidet!" Schlagzeilen wie diese prägen seit Wochen die Schweizer Presse. Auch die Ricola AG ist angesichts dieser Situation gefordert und fokussiert auf gutschmeckende, qualitativ hochstehende Kräuterbonbons aus der Schweiz auf der einen Seite und das Einfordern von wirksamen Verbesserungen auf der anderen Seite.

 Am 15. Januar 2015 hob die Schweizerische Nationalbank den Mindestkurs von 1.20 CHF zum Euro auf. Schon am selben Tag schwächte sich der Euro zum Schweizer Franken auf rund 1:1 ab und pendelt seither um diesen Wert. Seit Jahren zeigt sich die Währung der Eidgenossen von ihrer „stärksten Seite". In den letzten 10 Jahren hat sich der Schweizer Franken gegenüber dem Euro um rund 40% und gegenüber dem US-Dollar um gut 20% erhöht. Schweizer Firmen – im Speziellen exportierende – sind unter Druck.

Ricola produziert seit nunmehr 85 Jahren ihre Kräuterbonbons und -tees in der Schweiz. Nebst den Personal- und Infrastrukturkosten fallen auch wesentliche Teile der Warenaufwände in der Schweizer Landeswährung an. Der Großteil des Umsatzes wird bei einem Exportanteil von rund 90% aber in Euro und US-Dollar generiert. Dies führt zu großen wirtschaftlichen Herausforderungen. Schwankende und tendenziell steigende Rohstoffkosten, zunehmende regulatorische Einschränkungen sowie das Marktbedürfnis nach Innovationen und kurzen Lieferzeiten fordern zudem.

Als Familienunternehmen ist es Ricola wichtig, nachhaltig und aus eigener Kraft zu wachsen. Das Image der Marke und die gelebten Werte wie Qualität, Natürlichkeit oder wertschätzender Umgang waren schon immer wichtiger als die kurzfristige Gewinnmaximierung. Die Firma verfolgt das Ziel, Ricola Kräuterbonbons aus der Schweiz global verfügbar zu machen. Dabei spielt die Kräuterkompetenz des Unternehmens und die in eigener Regie  hergestellten Kräuterextrakte eine wesentliche Rolle. Die langfristige Konzentration auf die Herstellung von hochwertigen Kräuterbonbons hat sich in Anbetracht der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bewährt.

Lean Production implementiert

Ricola ist gut aufgestellt. Und trotzdem oder gerade deshalb hält die „Lean-orientierte" Denkhaltung auch beim Kräuterbonbonhersteller immer mehr Einzug. Ricola ist eine mittelgrosse Industrieunternehmung mit anspruchsvollen Prozessen in der Entwicklung, der Herstellung und dem Vertrieb. Entsprechend naheliegend war die Erkenntnis, dass diese Ausgangslage eine moderne Führungskultur und -struktur mit dezentralem Ansatz und hohem  Autonomiegrad erfordert. Zudem wurde erkannt, dass eine solche Führung auch eine deutlich höhere Transparenz hinsichtlich „Ist-Soll-Zustand" mit sich bringen musste. Das Kommunizieren einer klar verständlichen Vision und das Definieren von Zielen waren die Folge. Das Streben nach „Führen am Ort der Wertschöpfung" war geweckt.

Erfolg und Anerkennung motivieren „Wer das Ziel kennt, kann entscheiden; wer entscheidet, findet Ruhe; wer Ruhe findet, ist sicher; wer sicher ist, kann überlegen; wer überlegt, kann verbessern" lautet eine orientalische Weisheit. Ziele wie Erfüllungsgrad der geplanten Aufträge (Liefertreue), Effizienz in Form z.B. der OEE oder auch Gutmenge-Anteil müssen von Vorgesetzten wie auch Mitarbeitenden jederzeit erkannt und – noch viel wichtiger – deren Sinn verstanden werden. Der kausale Zusammenhang dieser und weiterer Ziele zum Unternehmenserfolg und damit zum Wohlergehen aller im Unternehmen, gilt es klar zu machen.

Dass zur Zielerreichung jeder einzelne Mitarbeitende und dessen Motivation und Fähigkeiten erforderlich sind, ist erkannt worden und wird mit der Stärkung des Prozesses „Mitarbeiterentwicklung" unterstrichen. Erfunden hat es Ricola diesmal nicht, aber mit „Lean@Ricola AG" wurde ein Weg eingeschlagen, mit dem auch künftige Herausforderungen bestmöglich gemeistert werden können.

Über Daniel Kobler:

Daniel Kobler ist seit 10 Jahren für Ricola tätig. Seit 2011 leitet er das Werk Baselstrasse. Nach der Lehre als Koch entschloss er sich, die Berufsmaturität nachzuholen, um danach das Studium als Dipl.-Ing.   Lebensmitteltechnologie FH zu absolvieren. Herr Kobler sammelte im Anschluss Erfahrungen als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Qualitätsmanagement und Lebensmittelsicherheit der Zürcher Hochschule für  angewandte Wissenschaften (ZHAW), bevor er zu Ricola wechselte. 2010 schloss er das Studium EMBA FH mit seiner Masterarbeit im Themengebiet „Lean Production" ab. Seit dieser Zeit ist Herr Kobler fasziniert von der Philosophie „Lean".

Mehr Informationen und weitere Referenten unter: www.productionsystems.de

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