Donnerstag, 23. November 2017

Lean Development - Produktentstehungsprozess ohne Verschwendung

Handlungsfelder_Lean_Development
von Ruedi Graf, Senior Berater und Partner der Wertfabrik AG
In der Entstehung neuer Produkte verfehlen eine Vielzahl von Projekten die definierten Qualitäts-, Termin- und Kostenziele. Die Projekte dauern länger, überschreiten die Entwicklungs- oder Herstellkosten oder machen Abstriche in der ursprünglich definierten Spezifikation. Lean Development entschärft diese Situation grundlegend.

Der gesamte Produktentstehungsprozess besteht nebst den effektiv wertschöpfenden Anteilen aus Tätigkeiten, welche aus Kundensicht als Verschwendung angesehen werden müssen. Diese Verschwendungen verlängern die Durchlaufzeit und reduzieren die Effizienz. Hier setzt Lean Development an, die Anwendung der Lean-Philosophie im Produktentstehungsprozess mit dem Ziel, Verschwendung in jeder Form zu vermeiden. Damit wird garantiert, dass die Produkte rechtzeitig und ausgereift auf den Markt kommen.

Lean_Development_im_Produktentstehungsprozess

Die Verschwendungen lassen sich in zwei Kategorien einteilen: die notwendige und die offensichtliche Verschwendung. Eine Vielzahl der Tätigkeiten, wie zum Beispiel Projektplanung und Projekttracking oder Teilnahmen an Projektmeetings, fällt dabei in die Kategorie der notwendigen Verschwendungen. Diese gelten für den Kunden als nicht direkt wertschöpfend und sind deshalb möglichst optimiert zu gestalten, sprich zu minimieren. Die offensichtlichen Verschwendungen müssen ganz eliminiert werden. Demnach ist eine Voraussetzung dafür, dass diese im Unternehmen erkannt und mit aller Konsequenz verringert werden. Die volle Transparenz in der Produktentstehung wirkt dabei massgeblich unterstützend. Beispiele für diese Kategorie sind Warten auf Spezialisten, Fehler beheben oder unzweckmässiges Reporting und Controlling

Die Ursachen von Verschwendung

Mangelhafter Projektstart
Projekte werden sehr häufig bereits mangelhaft gestartet. Es beginnt mit unklaren Anforderungen im Lasten- oder Pflichtenheft, welche im fortschreitenden Projektverlauf zu vielen Änderungen führen. Hinzu kommt, dass diese meist weder kosten- noch terminmässig eingeplant worden sind. Verursacht wird dieser Umstand durch ein mangelhaftes Projekt-Frontloading, fehlende Standards und ungenügende Grundlagenentwicklung. Auch der Zustand, dass notwendige Projektmitarbeitende noch in anderen (verspäteten) Projekten tätig sind, kann eine Ursache sein. Mangelhaft durchgeführtes Projekt-Frontloading beginnt mit einer ungenügenden Klärung der Kundenanforderungen. Im Projektverlauf werden die Anforderungen dann nach und nach ersichtlich und führen immer wieder zu Änderungen. Sehr häufig auch erst, wenn sich das Produkt bereits in der Fertigung oder Montage befindet. Ein effizientes Projekt-Frontloading mit interdisziplinärer Klärung zum Projektstart schafft hier Abhilfe.

Mangelhafte Projektumsetzung
Die zweite Hauptursache liegt in der mangelhaften Umsetzung der Projekte in der Abarbeitung. Hier sind Verschwendungen in grosser Menge vorhanden durch zu viele Schnittstellen, Doppelspurigkeiten oder auch durch ungenügende Prozessdisziplin der involvierten Projektteammitglieder. Ein Hauptfaktor in der Projektumsetzung, der zu übermässigen Verschwendungen führt, ist auch das sogenannte «negative Multitasking». Negatives Multitasking entsteht dann, wenn gleichzeitig mehrere Projekte oder Aufgaben erledigt werden und Mehraufwand durch erneutes Eindenken entsteht (sogenannte Setupzeit). Die Verschwendung durch negatives Multitasking ist vor allem dann akut, wenn Mitarbeitende überlastet und auch Schlüsselpersonen vorhanden sind, die aufgrund ihres Know-hows Engpässe darstellen und gleichzeitig in mehreren Projekten mitwirken.

Ungenügende Produktgestaltung
Eine weitere Hauptursache für Verschwendungen im Produktentstehungsprozess ist die ungenügende Produktgestaltung. Sie sorgt dafür, dass Produkte in den nachfolgenden Prozessschritten nicht verschwendungsfrei hergestellt werden können. Hier ist zu beachten, dass die Produktgestaltung auf Beschaffung, Produktion, Montage und Logistik abgestimmt ist. Es geht darum, dass die klassischen sieben Verschwendungsarten vermieden werden.

7-Verschwendungsarten

In diesem Bereich liegen noch grosse Potentiale verborgen. Denn in vielen Unternehmen werden Lean-Projekte meist erst dann gestartet, wenn die Produkte schon entwickelt und in die Produktion und Montage überführt worden sind. Ab diesem Zeitpunkt sind Optimierungen sehr häufig nur mit grossem Mehraufwand umsetzbar. Um neue Produkte bereits in der Entstehung nach Lean-Kriterien zu gestalten, ist es notwendig, dass die am Produktentstehungsprozess beteiligten Mitarbeitenden die Verschwendung ihrer nachgelagerten Prozesse kennen und maximal beeinflussen können.

Die sieben Handlungsfelder

Um die Verschwendung in einem Produktentstehungsprozess signifikant zu reduzieren, sind nicht nur punktuell Verbesserungen notwendig. Häufig sind die Ursachen in einem Zusammenspiel von verschiedenen Handlungsfeldern zu suchen. In der Praxis hat sich gezeigt, dass sich in den folgenden sieben Handlungsfeldern Optimierungsmöglichkeiten ergeben, welche zu einem ganzheitlichen Lean-Development-System führen:

Handlungsfelder_Lean_Development

1. Strategie
Die Strategie bildet die Basis, um die richtigen Produkte zu entwickeln. Dafür müssen klare Vorgaben zu Zielmärkten und -branchen vorhanden sein. 

2. Technologie-Management
Das Technologie-Management gewährleistet, dass Vorentwicklung und Produktentwicklung synchron laufen. Neue Technologien werden bedarfsgerecht bereitgestellt, und es wird sichergestellt, dass nur validierte Technologien in Produkten auf den Markt kommen.

3. Produktgestaltung
Die Produktgestaltung sorgt dafür, dass die Produkte verschwendungsfrei hergestellt werden können, und dient somit der Vermeidung der klassischen sieben Verschwendungsarten.

4. Organisation
Die Entwicklungsorganisation sorgt für einen reibungslosen Produktentstehungsprozess. Dabei ist die Organisation so aufgestellt, dass negatives Multitasking vermieden wird.

5. Führung
Die Führung regelt die Zusammenarbeit zwischen Führungskräften, Mitarbeitenden, Kunden und Lieferanten. Die Führung am Ort des Geschehens wird sichergestellt und die Regelkommunikationssystematik führt zu einem störungsfreien Ablauf. 

6. Prozess
Ein klar strukturierter Produktentstehungsprozess bildet den Rahmen für erfolgreiche Projekte. Eine klare Abgrenzung der Phasen mit entsprechenden Meilensteinen/Gates und ein effektives Frontloading führen zu einer reibungslosen Projektabarbeitung.

7. Projektabwicklung
Eine effiziente Projektabwicklung dient der Termin-, Qualitäts- und Kosteneinhaltung. Eine eindeutige Priorisierung der Projektlandschaft führt im Konfliktfall dazu, dass die Ressourcen richtig eingesetzt werden. Die projektrelevanten Daten sind transparent vorhanden und Standards in der Projektbearbeitung installiert.

Fazit
Eine Vielzahl umgesetzter Lean-Development-Projekte hat gezeigt, dass die Ursachen von Verschwendungen im Produktentstehungsprozess sehr häufig in mehreren Handlungsfeldern zu finden sind. Die Grundvoraussetzung zur Optimierung liegt in der Bereitschaft, die vorhandene Verschwendung aufzuzeigen und konsequent anzugehen. Zu diesem Zweck ist die volle Transparenz über den gesamten Produktentstehungsprozess eine zwingende Notwendigkeit.

icon Lean Development - Produktentstehungsprozess ohne Verschwendung (233.05 kB)

Zur Wertfabrik AG
Wertfabrik ist der neue Prozessdienstleister für Unternehmen in der Schweiz und in Deutschland. In Zusammenarbeit mit Kunden entstehen anspruchsvolle Lean-Enterprise-Lösungen. Das Beratungsunternehmen mit Sitz in Seuzach bietet ein umfassendes Leistungspaket, das aus Beratung, Training und Erfahrungsaustausch besteht. Das Team von Wertfabrik umfasst sechs umsetzungsstarke Berater – alles Macher mit breiter Industrie- und Prozesserfahrung. www.wertfabrik.ch

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