Dienstag, 19. September 2017

Dresdner Konzept des Stationsapothekers gewinnt Hospital-Innovation-Preis 2011

Vor-Ort-Präsenz von Apothekern wird auf vier weitere Stationen ausgeweitet / Rheinische Fachhochschule Köln überreichte Auszeichnung auf der Medica / Unit-Dose-System erhöht zusätzlich Patientensicherheit und Effizienz

Die Klinik-Apotheke des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden erhielt am 18. November 2011 den „Hospital-Innovation-Preis 2011" für das Projekt „Erhöhung der Arzneimitteltherapiesicherheit durch Kombination von Unit-Dose-Versorgung mit Stationsapothekern". Mit dem ersten Preis dieser Auszeichnung wird das Engagement des Klinikums für eine effizientere und sicherere Arzneimittelversorgung stationärer Patienten gewürdigt, mit dem es deutschlandweit eine Vorreiterrolle einnimmt. Der Erfolg des Projekts lässt sich an der Akzeptanz veranschaulichen, die es im Klinikum selbst genießt: Zum Dezember nimmt in der Klinik für Urologie eine Stationsapothekerin ihre Arbeit auf. Auch die Viszeral-, Gefäß- und Thoraxchirurgie weitet die Präsenz der Apotheker aus, so dass in dieser Klinik nunmehr auf allen Stationen diese Form der Arzneimittelversorgung praktiziert wird. Damit arbeiten ab Dezember neun Apotheker auf insgesamt 12 Stationen des Dresdner Uniklinikums Hand in Hand mit dem dort tätigen ärztlichen und pflegerischen Personal zusammen.

„Patientensicherheit durch Prozessoptimierung" lautet der Untertitel des „Hospital-Innovation-Preis 2011", den Prof. Dr. med. Dipl.-Kfm. (FH) Rainer Riedel, Direktor des Instituts für Medizin-Ökonomie & Medizinische Versorgungsforschung der Rheinischen Fachhochschule Köln heute überreicht. „Mit der Präsenz von Apothekern auf der Station können behandelnde Ärzte auf kurzem Weg Fragen zur Fortführungen laufender Medikation ihrer Patienten und zu möglichen Wechselwirkungen bei der Gabe zusätzlicher Arzneimittel klären und so diese Risiken minimieren. Der Stationsapotheker trägt damit zu einer höheren Patientensicherheit bei", sagt Dr. Holger Knoth, Leiter der Klinik-Apotheke des Dresdner Uniklinikums, der den Preis gemeinsam mit Hanne Galleiske, Stationsapothekerin der ersten Stunde, auf der Medica entgegennahm.

„Mit der Einführung des Stationsapothekers haben wir den Anstoß für einen grundlegenden Wandel gegeben. Mit dieser neuen Rolle erweitern Krankenhausapotheker ihren bisherigen Aktionsradius: Sie stellen ihr Wissen genau dort zur Verfügung, wo über die Medikation entschieden wird und erschließen sich damit eine neue klinische Dimension", sagt der Kaufmännische Vorstand des Universitätsklinikums, Wilfried Winzer. Ein Grund für diese stärkere Vor-Ort-Präsenz der Apotheker im Universitätsklinikum liegt in der steigenden Zahl älterer Patienten, die mit Vorerkrankungen zur stationären Behandlung kommen. Für die Ärzte ist dies mit einem Mehraufwand verbunden: Zum einen muss die laufende Medikation der Patienten fortgeführt und an die in der Klinik-Apotheke gelisteten Medikamente angepasst werden. Zum anderen sind die Wechselwirkungen bei der Gabe zusätzlicher Arzneimittel zu beachten. Bestimmte Medikamente beschleunigen beispielsweise den Abbau anderer Arzneimittel, was deren Wirksamkeit stark einschränken kann. Vor allem Ärzte in Kliniken mit chirurgischem Schwerpunkt werden in solchen Situationen mit Fragen konfrontiert, die keine unmittelbaren Bezüge zu ihrem Fach haben.

Die auf den Stationen tätigen Apotheker sichten im Rahmen täglicher Kurvenvisiten die zu Behandlungsbeginn erhobene Arzneimittelanamnese sowie die angesetzte Dosierung. Sie achten in diesem Zusammenhang auf die Laborparameter der einzelnen Patienten – beispielsweise die Nierenfunktion –, um gegebenenfalls Ärzten zu empfehlen, die Dosis verschriebener Arzneimittel zu verändern. Auch legen sie besonderes Augenmerk auf Kontraindikationen, also die Unverträglichkeit eines Medikaments auf Nebenerkrankungen, sowie auf die Überwachung von Wirksamkeit und Toxizität. Daneben berät der Stationsapotheker die behandelnden Ärzte in Fragen von Therapiedauer und Auswahl von Arzneimitteln. Beispielsweise lassen sich durch die Umstellung von injizierten auf oral gegebene Medikamente erhebliche Kosten reduzieren. Schließlich sucht der Stationsapotheker auch den Kontakt zu Patienten, um sie bei der Um- oder Einstellung von Medikamenten oder deren korrekter Einnahme zu beraten.

Unit-Dose-System erhöht Effizienz in der Arzneimittelversorgung

Die Kombination Unit-Dose-System und Stationsapotheker minimiert neben dem Ausschluss von Wechselwirkungen weitere Risikofaktoren: Sie entlasten das Pflegepersonal, in dem sie das Stellen der Medikamente übernehmen: Der Apotheker gibt nach der ärztlichen Visite die in den Patientenkurven festgehaltene Medikation in ein computergestütztes System ein – der damit verbundene Kommissionierautomat verpackt die Medikamenten-Einzeldosen für jeden Patienten. Die Übernahme dieser Aufgabe entlastet die Mitarbeiter des Pflegedienstes, die häufig im Nachtdienst die Medikamente für den Folgetag stellen. Wie wissenschaftliche Untersuchungen belegen, geht diese nächtliche Tätigkeit jedoch mit einem höheren Fehler-Risiko einher.

Insgesamt nutzen derzeit zwölf Stationen des Universitätsklinikums Dresdn das Unit-Dose-System, so dass täglich rund 350 stationäre Patienten auf diese Weise mit Arzneimitteln versorgt werden. Zwei in der Klinik-Apotheke des Dresdner Universitätsklinikums aufgestellte Automaten übernehmen das zentralisierte Stellen der Medikamente. Mit ihnen werden bis zu 1.000 unterschiedliche Arzneimittel in Blisterverpackungen kommissioniert, die entsprechend der Dosierungen unterteilt und beschriftet sind. Damit reduziert die Apotheke den Arzneimittelverbrauch, da sich die Stationsvorräte auf ein Notfallsortiment beschränken lassen – Verluste durch angebrochene und danach nicht mehr verwendete Verpackungen sinken deutlich. Zudem können die Eingaben der Medikation in das computergestützte Unit-Dose-System für jeden einzelnen Patienten ausgewertet werden. Dank so gewonnener Transparenz lässt sich der Anteil oral gegebener Arzneimittel an den gesamten Therapiekosten präzise ermitteln. Auch die Patienten profitieren vom System. Anders als bei herkömmlich gestellten Medikamenten informiert ihn die Verpackung, was er einnimmt.

 

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