Samstag, 24. Juni 2017

Gute Heilungschancen – Die Medizintechnikbranche im Fokus

Von Konstantinos Panagiotidis, Dipl.-Wirtsch.-Ing., seit 2011 als Senior Berater bei der CONCEPT AG
Die Medizintechnik gehört, was ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit anbelangt, zu den Hoffnungsträgern der deutschen Wirtschaft. Namentlich Innovationsfähigkeit und technologische Kompetenz werden als ihre größten Stärken benannt. Aber wie sieht es mit den operativen Leistungsdaten, mit der Performance der Prozesse aus?

Um diese Frage zu beantworten, hat die CONCEPT AG die Messe Compamed 2013 genutzt, um eine gezielte Untersuchung durchzuführen. Befragt wurden Unternehmen, die in die Medizintechnikbranche liefern. Schwerpunkt war die Beurteilung der Lieferperformance – ein erfolgsrelevanter Stellhebel. Das Ergebnis der Untersuchung zeigt, dass in diesem Bereich erhebliche Potenziale liegen.

Vor allem im Hinblick auf die Liefertreue bleiben Wünsche offen. Das umseitige Diagramm zeigt die Verteilung der befragten Unternehmen bezüglich ihrer aktuell realisierten Liefertreue in Prozent. Lediglich ca. 30 Prozent der Unternehmen weisen hier einen Spitzenwert auf. Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang, dass diese Top-Performer allesamt sowohl in der Medizintechnik als auch in der Automobilbranche tätig sind. Die dort geforderten Leistungsvoraussetzungen, vor allen Dingen logistik-optimierte Strukturen, lassen sich also offenbar auf die Medizintechnik übertragen – eigentlich eine gute Nachricht.

Die Gründe für die schlechtere Lieferfähigkeit der Low-Performer sind teilweise „hausgemacht", teilweise jedoch auch durch die Branchencharakteristik begründbar. So sind die Lieferketten, beginnend beim Rohmaterial über die verschiedenen Lieferstufen bis zum „OEM", vergleichsweise störanfällig und instabil. Die Kapazitäten der zumeist mittelständischen Unternehmen sind, nicht zuletzt durch die positive Entwicklung der Märkte, häufig stark ausgelastet – mit der Folge häufiger Engpässe. Schließlich tun sich viele Unternehmen schwer damit, die interne Planung und Steuerung auf ein solides Fundament zu stellen.

Wie gesagt: Optimierungspotenziale sind vorhanden. Die gute Nachricht lautet, dass logistik-optimierte Strukturen, beispielsweise nach dem Vorbild der Automobilbranche, hier Abhilfe schaffen. Und die Unternehmen der Medizintechnik lernen schnell.

Die Chancen nutzen – Ansatzpunkte zur Optimierung

Der optimale Lieferstrom beginnt beim Lieferanten, der stabil und termingerecht Rohmaterial anliefert, das intern effizient eingeplant und produktiv durch die Wertschöpfung geführt wird. Dieser  Lieferstrom ist die Summe an operativen Prozessen, die einen Mehrwert für den Kunden erbringen. Soweit die Idealvorstellung. Um dieses Ideal zu erreichen, müssen in der Medizintechnik drei Maßnahmenbündel angegangen werden: Lieferkette stabilisieren, Produktivität erhöhen, Planung und Steuerung optimieren.

Die Stabilisierung der Lieferkette beginnt mit einer ABC-Analyse aller Rohmaterialien und Lieferanten. Sind die Potenziale ermittelt, beginnt die eigentliche Arbeit, namentlich zur Optimierung der Lieferantenanbindung und zur Erhöhung der Materialverfügbarkeit. Die letzte Ausbaustufe besteht in der Stabilisierung der gesamten Lieferkette und der Etablierung von Qualitätsregelkreisen zu deren Absicherung.

Die Produktivität lässt sich steigern, indem zunächst die erfolgsrelevanten Kennzahlen (z.B. OEE) festgelegt und ermittelt werden. Engpässe lassen sich auf diese Weise vergleichsweise einfach identifizieren. Im nächsten Schritt wird in guter Lean-Tradition vor allem die Verschwendung reduziert, wobei Produktion und Logistik getrennt zu betrachten sind. Wenn die einschlägigen Maßnahmen greifen, erhöht sich der Durchsatz bei gleichzeitiger Flexibilisierung der Produktion.

Die Optimierung von Planung und Steuerung startet wiederum mit einer ABC-Analyse der Endprodukte und Kunden. Anschließend wird die Planung am Kundenbedarf ausgerichtet sowie der  innerbetriebliche Materialfluss stabilisiert. Eine abschließende Losgrößenoptimierung trägt auch zur Flexibilisierung der Logistik bei.

Resultat der hier grob skizzierten Maßnahmen ist eine hohe Liefertreue und eine wesentlich verbesserte Erfüllung der Kundenwünsche. Also das, was wir logistik-optimiert nennen.

Die Diagnose kennen – Ergebnisse der Befragung

Gründe für Low-Performance

Die Symptome ansprechen – Ursachen reduzierter Lieferleistung

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