Montag, 25. September 2017

Schnell, flexibel, effizient

Die Lackieranlage von Venjakob bei der Völker AG ist U-förmig aufgebaut. Links wird aufgelegt, rechts kommen die fertig lackierten Teile an
Die Völker AG in Witten ist einer der führenden Hersteller von Betten für Krankenhäuser und für die institutionelle sowie häusliche Pflege. Um die Marktposition für die Zukunft zu festigen, investierte Völker im letzten Jahr in eine neue Lackierstraße. Den Zuschlag bekam der Spezialist für Lackieranlagen aus Rheda-Wiedenbrück: die Firma Venjakob Maschinenbau.

Dass die Wittener wieder auf Venjakob setzten, hat nicht nur mit den guten Erfahrungen der vergangenen Jahre zu tun. Völker-Betriebsleiter Jörg Waldeyer: "Mit dem Anlagenkonzept von Venjakob können wir eine auftragsbezogene Fertigung realisieren, in der zunehmend kleinere Losgrößen besondere Anforderungen an die Flexibilität stellen." 

Die Optimierung des Materialflusses nach dem Fließprinzip stand bei der Umsetzung des Gesamtkonzeptes an erster Stelle. Die Produkte befinden sich während der Herstellung in ständigem Fluss. Jörg Waldeyer: "Nach den ersten Monaten im Betrieb verringerte sich die Durchlaufzeit um 70 Prozent und die Überstunden in der Oberflächentechnik tendieren gegen Null. Außerdem ergeben sich durch die neue Anlage deutliche Vorteile in den Bestandswerten und bei den Lagerkosten. Wir lackieren jetzt so, wie die Endmontage zusammenbaut."

An erster Stelle im Lastenheft stand der schnelle Farbwechsel. Christian Schulze, der für Völker zuständige Projektmanager von Venjakob: "Sieben verschiedene Farben und ein Reinigungsmittel sollten ständig verfügbar sein, um die Vielzahl der verschiedenen Kundenaufträge nahtlos abwickeln zu können." De facto vollzieht sich der Farbwechsel durch das neue automatische Farbwechselsystem der Lackieranlage VEN SPRAY DUO von Venjakob jetzt in ca. 30 Sekunden. Damit sind bis zu 50 Farbwechsel pro Tag möglich - vorher waren es nur zehn.

Der Lackierprozess beginnt mit der Entstaubung und Ionisierung der Werkstücke, deren Minimalgröße bei 180 x 50 x 5 mm (L x B x H) liegt; maximal sind es 2500 x 600 x 80 mm. Nach dem Vorwärmkanal zum Erreichen einer prozesssicheren Temperatur geht es in die Lackierkabine. Durch die ausgeklügelte Lüftungstechnologie wird der Spritznebel optimal entfernt. So konnte der Reinigungsaufwand um 60 Prozent verringert werden. Und: Das Luftmanagement ist so ausgelegt, dass 30 Prozent der Abluft im Umluftbetrieb gefahren werden können.

Neueste Pistolen-Technologie senkt den aktiven Lackverbrauch ebenso wie eine Lackrückgewinnung der neuesten Generation. Das Rakelsystem säubert etwa 90 Prozent des Transportbandes, die restlichen zehn Prozent übernimmt eine klassische Reinigungseinheit mit wasserverdünntem Alkohol. Die Reduzierung der Chemikalien zur Reinigung des beim Lackiervorgang eingesetzten Wassers in der Absaugung beträgt etwa 40 Prozent.

Die Güte der Trocknung entscheidet maßgeblich über das spätere Oberflächenergebnis. Die erste Station dieses Prozesses bei Völker ist der OIR-Trockner aus der VEN-DRY-Serie von Venjakob. Christian Schulze: "Hier werden in einem immer gleichen Klima-Milieu mit konstanter Temperatur und Luftfeuchte die Wassermoleküle im noch nassen Lackfilm durch mittelwellige Infrarotstrahlung angeregt, so dass der Wasseranteil des Lacks von innen aus der Lackschicht heraus trocknet, ohne dass sich eine obere Trocknungshaut bildet." Die folgenden drei Trocknereinheiten mit Düsenkanälen wurden aus der alten Anlage übernommen.

Aus dem VEN-DRY-Programm stammen auch die drei UV-Trockner am Ende der Prozesskette. Weil bei Völker oft runde Stollen über das Band laufen, war die Installation einer dritten Einheit nötig, die von unten aushärtet, um Qualitätsmängel an Schattenkanten und Rundungen auszuschließen. Kaltlichtlampen reduzieren die Oberflächentemperatur von vormals bis zu 90 Grad Celsius auf jetzt nur noch 40 bis 45 Grad. Damit gehören Trocknungsrisse im Holz oder Blasenbildung unter dem Furnier der Vergangenheit an.

Die neue Reflektorgeometrie lenkt wenig Wärme aber dafür die gesamte UV-Strahlung - je nach Lackart Gallium oder Quecksilber - auf das Werkstück. Für transparente Lacke reicht jetzt ein Strahler statt vorher zwei, für die Aushärtung pigmentierter Lacke genügen schon zwei Strahler, wo sonst drei oder sogar vier notwendig waren. Zusammen mit der Verkürzung der Strahlerlänge auf 140 cm summiert sich das in einer Energieeinsparung von etwa 60 Prozent. Die deutliche geringe Oberflächenerwärmung durch das neue Trocknungssystem wirkt sich zudem materialschonend aus. Das ist deshalb von großer Bedeutung, weil die einzelnen Bettenteile den Lackier- und Trocknungsprozess insgesamt vier Mal durchlaufen - zwei Mal von jeder Seite.

Inzwischen ist die Venjakob-Lackier- und Trocknungsanlage seit gut einem halben Jahr in Betrieb. Die planvollen Vorbereitungen und die intensive Zusammenarbeit aller Beteiligten von Völker, Venjakob und Kuper führten dazu, dass es so gut wie keine Anlaufschwierigkeiten gab. "Die Investition kam zum rechten Zeitpunkt", sagt Jörg Waldeyer. "Damit ist unsere Produktion zukunftssicher aufgestellt. Und wir können unseren Kunden langfristig die Qualität liefern, die ihre Kunden von ihnen erwarten."

 

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