Montag, 25. September 2017

Windanlagenhersteller: Jetzt wird über die Zukunft entschieden

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Die Katastrophe von Fukushima und das von der Bundesregierung verfügte Moratorium für die Laufzeitverlängerung für deutsche Kernkraftwerke sorgen für wachsendes Interesse an regenerativen Energien, insbesondere an der Windenergie. Die zunehmende Akzeptanz dieser „Green Energy" wird, das zeichnet sich ab, zu erheblichen weiteren Investitionen in Windparks und in den Netzausbau führen.  Gleichzeitig gibt es erhebliche strukturelle Probleme in der Branche. Längst sind an die Stelle gründerzeitlicher Euphorie mit gewaltigen Wachstumszahlen „normale" Unternehmensabläufe getreten. Der Kostendruck wächst, der Mangel an verfügbaren Ingenieuren schlägt voll durch, Liefertermine werden oft nicht eingehalten. So ist – dem Bild in den Medien zum Trotz – die Lage bei den Windkraftherstellern nicht überwältigend.

Kein Grund zu resignieren, aber höchste Zeit zu handeln, meint Andreas Hoberg, Leiter der Hamburger Ingenics Niederlassung. Auf jeden Fall ein Grund, die Kosten systematisch zu senken. Nicht zuletzt mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit mit Anbietern anderer erneuerbarer Energien. Deshalb muss jetzt, mit dem Ziel, die Herstellkosten deutlich zu senken, an den Prozessabläufen in den Unternehmen geschliffen werden. „Bedingt durch die starken politischen Rahmenbedingungen wird sich die Windbranche in Deutschland allen Widrigkeiten zum Trotz aber weiter positiv entwickeln", ist Andreas Hoberg überzeugt. Er will indes nicht beruhigen, sondern aufrütteln. „Um sich im internationalen Wettbewerb als Anlagenhersteller oder Lieferant zu behaupten, müssen die Kosten für die Stromherstellung deutlich sinken, was aber voraussetzt, dass sich die Herstellkosten reduzieren lassen."

Klingt gut, aber lassen sich Kosten so einfach nachhaltig senken? „Ja", sagt Andreas Hoberg. „Am besten gelingt das durch die Optimierung der Prozesseffizienz, das heißt Eliminierung von Verschwendung, Restrukturierung der Prozessabläufe sowie Qualifikation und Training der Mitarbeiter, die den Prozess dann neu leben müssen."

Zu diesem Optimismus gehört allerdings, schonungslos die Hürden für eine schnelle positive Entwicklung aufzuzeigen. Zum einen haben die Wettbewerber aus anderen Ländern aufgeholt, die Internationalisierung ist in vollem Gange – mit allen Vor- und Nachteilen. Zum zweiten ist hierzulande ein Großteil der geeigneten Flächen bereits erschlossen. Zum dritten ist die Konzernbildung in die Gänge gekommen. „Im globalen Wettbewerb der Großkonzerne im Strommarkt werden längerfristig weniger als zehn Hersteller überleben, öffentliche Subventionen werden zurückgefahren, die Preise der Windenergieanlagen werden bis zu 20 Prozent fallen und der Windstrom wird an der Börse deutlich billiger gehandelt werden, sodass auch die Gewinnmargen zu sinken drohen", fasst Andreas Hoberg zusammen, was absehbar ist.

Optimierung der Prozesseffizienz
Die Entwicklung nimmt also einen für die Marktwirtschaft normalen Verlauf. Damit haben die Windenergieerzeuger viele gute Gründe, ihre Unternehmen optimal am Markt auszurichten. Unternehmen, die langfristig konkurrenzfähig bleiben wollen, streben neben der Innovationsführerschaft auch die Kostenführerschaft an: durch Eliminierung von Verschwendung, optimierte Materialeffizienz und ein kennzahlenbasiertes systematisches Kostenmanagement. Auch eine klare Entscheidung hinsichtlich der Wertschöpfungstiefe ist unerlässlich, denn künftig wird es wohl nur noch zwei Modelle geben: Unternehmen mit einer Fertigungstiefe von über 70 und solche mit einer Fertigungstiefe von unter 20 Prozent. Da angesichts des schnellen Wachstums kaum auf die Prozesse geachtet wurde, gibt es hier einen gewaltigen Nachholbedarf, gleichzeitig aber auch Einsparpotenziale von mindestens 20 Prozent.

Voraussetzung für mehr Prozesseffizienz ist die eindeutige Beschreibung der Prozesse und Prozessebenen sowie die Definition des Idealprozesses. Anschließend ist eine prozessorientierte Aufbauorganisation mit verkürzten Durchlaufzeiten, reduzierten Prozesskosten und besserer Produkt- und Service-Qualität erst möglich. Verbesserte Prozesse müssen kontinuierlich überprüft und ein Kontinuierlicher Verbesserungsprozess in Gang gesetzt werden.

Supply-Chain-Management
In den meisten Fällen genügt schon eine schnelle Bestandsaufnahme, um festzustellen, dass es bei der Lieferkette erhebliche Optimierungspotenziale gibt: lange Lieferantenlisten, fehlende Vereinbarungen zwischen Herstellern und Lieferanten und Herstellern etc. bedeuten das Gegenteil eines effizienten Supply-Chain-Managements. „In Zukunft werden wir ein gut ausgebautes globales Lieferantennetzwerk haben und nutzen, wobei die Bewertung der Supply Chain durch klare Messgrößen erfolgt, wie wir es aus dem Automobilbau kennen", sagt Andreas Hoberg und weist darauf hin, dass aktuell acht von 8.000 Teilen einer Windenergieanlage 80 Prozent der Kosten verursachen. „Wenn man sich erst einmal auf diese acht Teile konzentriert, hat man bereits einen großen Stellhebel für schnelle Kostensenkungen." Gerade solche „Quick-Wins" sind es, die Kunden und Mitarbeitern vor Augen führen, dass und wie es möglich ist, mit geringem Aufwand in kurzer Zeit erhebliche Einsparungen zu realisieren.

Die Optimierung der Lieferkette erfolgt über die Einführung von Kennzahlen für die Prozesskosten, verbesserten Service – der Anteil termingerecht ausgeführter Aufträge geht gegen 100 Prozent –, konsequentes Bestandsmanagement und systematisches Lieferantenmanagement. Auf längere Sicht müssen konsequente Entscheidungen über die Eigen- oder Fremdfertigung – durch „Make-or-buy-Analysen" – getroffen werden.

Entscheidend für den Gesamterfolg der Restrukturierung ist die Bereitschaft im gesamten Unternehmen, vorausschauend zu agieren und Veränderungen zu leben. Auch indem man dem Fachkräftemangel mit systematischer Personalentwicklung begegnet, spezielle Problemlösungskompetenzen fördert, Zielvereinbarungen verabschiedet und ein Shopfloor-Management installiert, das eine effiziente Produktion absichert. „Im Ergebnis werden bei gleich bleibendem Personaleinsatz mehr und bessere Anlagen gebaut", sagt Andreas Hoberg.

Projekterfahrung zählt
Die Bereitstellung spezifischer Branchenkompetenz durch Ingenics spielt eine wichtige Rolle, wo europäische Hersteller und Komponentenlieferanten ihre Preise um bis zu 30 Prozent reduzieren müssen, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. In Kundenprojekten, z.B. beim Windkraftanlagenhersteller Nordex, aber auch bei Zulieferbetrieben gelingt es Ingenics regelmäßig, die beschriebenen Potenziale zu identifizieren und gemeinsam mit den Kunden zu realisieren.

Deutsche Technologie ist in der Branche zwar noch führend, doch vor allem im Zulieferbereich werden künftig vor allem die Preise über die Auftragsvergabe entscheiden. Deshalb führt kein Weg daran vorbei, sich jetzt dem Thema zu stellen, um Windanlagentechnik aus Deutschland wettbewerbsfähig zu halten.

Über Ingenics
Die Ingenics AG ist ein innovatives, expandierendes Beratungsunternehmen mit den Geschäftsfeldern Fabrik- und Produktionsplanung, Logistikplanung, Effizienzsteigerung Produktion sowie Effizienzsteigerung Office. Zu den Kunden gehört die Elite der deutschen und europäischen Wirtschaft. Über nationale Projekte hinaus ist die Ingenics AG ein gefragter Partner für die Planung und Realisierung weltweiter Produktionsstandorte, beispielsweise in Indien, China, den USA und Osteuropa. Derzeit beschäftigt die Ingenics AG rund 180 Mitarbeiter unterschiedlichster Ausbildungsdisziplinen. Mit hoher Methodenkompetenz und systematischem Wissensmanagement wurden in über 30 Jahren mehr als 3.000 Projekte erfolgreich durchgeführt. Ingenics begleitet seine Kunden durch das komplette Projekt, von der Konzeption bis zur praktischen Umsetzung der Pläne.


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