Donnerstag, 19. Oktober 2017
Tihomir Zadro ist Senior Consultant bei TQM Training & Consulting.

LEAN erweckt ungeahnte Talente

Tihomir Zadro ist Senior Consultant bei TQM Training & Consulting. Sein Schwerpunkt sind Coachings, Seminare und Beratungsleistungen rund um das Thema Lean Management. Wir schätzen ihn als Kollegen und freuen uns sehr, dass er als Referent bei der LEAN 2017 mit an Bord ist.

Auf der LEAN 2017 ist Tihomir mit einem Vortrag und einem Workshop vertreten. Auch ihn haben wir zum Thema LEAN befragt ...

Wo sehen Sie den (deutschen) Mittelstand beim Thema LEAN derzeit?

LEAN ist keineswegs neu und gleichzeitig aktueller denn je. Begriffe wie „Kanban“ oder „KVP“ sind seit längerem gängig in deutschen Betrieben – auch im Mittelstand. Neu ist allerdings die Erkenntnis, dass mit der einseitigen Fokussierung auf Methoden und Werkzeugen die wahre Wirksamkeit von LEAN nicht entfaltet werden kann. Das ist allenfalls die Spitze des Eisbergs und führt höchstens zu kurzfristigen Strohfeuern von Einzeloptimierungen.

Ich sehe etliche Unternehmen aktuell vor der Herausforderung, LEAN als ganzheitliches (Management-) System auf allen Ebenen zu etablieren, um mit nachhaltigen Strukturen systematisch und stetig an Verbesserungen zu arbeiten.

Welche Chancen (und Risiken) birgt LEAN speziell für den Mittelstand im Vergleich zu Groß-Konzernen und internationalen Unternehmen?

Mittelständische Strukturen haben im Vergleich zu eher schwerfälligen Konzernstrukturen den Vorteil, schneller auf Veränderungen reagieren zu können, um sich ihnen anzupassen. Mit der LEAN-Philosophie legt ein Unternehmen ein Bekenntnis zu dauerhafter Veränderungsbereitschaft ab. In dieser Kombination (agile Strukturen und Veränderungsbereitschaft) sehe ich die Chance für den Mittelstand. Dies gelingt, wenn sich Führung und Mitarbeiter hinter einer eigenen Vision von LEAN vereinen. Der Lohn dafür ist nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit.

Voraussetzung dafür ist allerdings, Prozessverbesserung als Teil der täglichen Arbeit zu verstehen und nicht als etwas, was viermal im Jahr in Workshops passiert. Das erfordert einen grundlegenden Systemwechsel und macht ein Verbesserungsmanagement nötig, mit allem was dazu gehört – Langfristige Ausrichtung, Knowhow, Ressourcen und Einbindung aller Mitarbeiter. Fehlt das, so besteht die große Gefahr, dass erste Anfangserfolge wieder zunichte gemacht werden. LEAN ist kein 100 Meter Sprint, sondern vielmehr ein Marathonlauf, für den es Ausdauer braucht. Hier sehe ich das Risiko.

Was ist Ihre persönliche Vision beim Thema LEAN?

Mich hat es in meiner persönlichen Erfahrung mit LEAN immer wieder aufs Neue fasziniert, welche Talente bei Menschen zum Vorschein kommen, wenn Sie vor die richtige Herausforderung gestellt werden. So sind Erfolge entstanden, die teilweise mit einfachsten Mitteln zu Lösungen führten, die man vorher nicht für möglich gehalten hätte.

Die Einbindung und Aktivierung Aller – Mitarbeiter und Führungskräfte – ist für mich die wichtigste Triebfeder von LEAN.

Welchen Tipp würden Sie jemandem geben, der in das Thema einsteigen möchte? Was sollte er/ sie zuerst tun oder gar lassen?

Mit LEAN muss ein positives Gefühl vermittelt werden und keineswegs ein Gefühl der Angst, (z.B. vor Arbeitsplatzverlust). Das lähmt (zurecht) jegliche Verbesserungsinitiativen. Hilfreich ist daher ein klares Statement, dass mit und durch LEAN keine Arbeitsplätze in Gefahr geraten. Das macht eine transparente Strategie erforderlich, wie mit Rationalisierungspotentialen umgegangen werden soll.

Ferner sollte nicht alles auf einmal geschehen. Es empfiehlt sich Pilotbereiche zu definieren. Hier sind schnelle und überzeugende Anfangserfolge hilfreich, die zu positiven „Aha-Effekten“ in der gesamten Organisation führen. Die so erzeugte Dynamik sollte danach Schritt für Schritt auf weitere Bereiche übertragen werden.

Weitere Informationen zum

Vortrag: Let’s go Lean – nur wie?
Workshop 4: Wertstromanalyse und -design – ein systematisches Vorgehen
Programm der LEAN 2017

Tihomir Zadro ist auch Referent des Zertifikats-Lehrgangs Lean Manager. Für den Januar-Termin sind hier noch Plätze frei.

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