Mittwoch, 13. Dezember 2017

Viel Spaß bei der Diskussion verschiedener Themen über das Thema LEAN.

Work-Life-Bullshit

Work-Life-Bullshit

Der Begriff der Work-Life-Balance geht davon aus, dass die Berufsarbeit etwas anderes sei, als das Leben, und dass beide Bereiche in Balance zu bringen sind. Aha: Leben ist also erst durch die Abwesenheit von Arbeit möglich. Nach dieser Logik wäre man ja während der Arbeit tot. Klar, weiß ich, dass das nicht so gemeint ist.
 
Versuchen wir es also einmal mit dem Pärchen „Arbeit und Freizeit“. Das kommt zwar nicht ganz so stylish daher, wie die Work-Life-Balance, kann aber bei der Erklärung helfen. Denn es unterstellt, dass man nur dann frei - also selbstbestimmt - sein kann, wenn man nicht seiner Erwerbsarbeit nachgeht. Sollten Sie dieser Aussage zustimmen, dann will ich gerne der Spielverderber sein.

In Ihrer ach so freien, selbstbestimmten Zeit müssen Sie die Dachrinne reinigen, müssen Sie den Müll herausbringen und müssen Sie Ihre Steuererklärung machen. Muss, muss, muss! Und das nennen Sie Freizeit? Dann möchte ich mit Ihnen aber nicht tauschen. Na gut, werden Sie sagen. Man hat ja schließlich seine Verpflichtungen. Ja, das ist richtig. Bitte bleiben Sie dran - wir kommen der Sache näher.
 
Ich bin nämlich für eine andere Einteilung; für die Unterscheidung zwischen Arbeit und Privatem und zwischen selbstbestimmt und fremdbestimmt. Dann lassen Sie uns die Freizeit umbenennen in Privatzeit und diese weiter unterteilen in einen selbstbestimmten und einen fremdbestimmten Teil. So bekommt die Sache Kontur. Diese Unterteilung können Sie natürlich auch für die Arbeit vornehmen. Denn da gibt es mit nicht nur Fremdbestimmtes - jedenfalls in einer Organisation, die den Lean-Gedanken lebt. Und spätestens jetzt müsste der Bezug zu dieser Blogreihe da sein.

Arbeitszeit und Privatzeit - Selbst- und Fremdbestimmtes. Wo sind Sie denn so den ganzen Tag?
 
 
Und ist bei Ihnen wirklich alles, was an Ihrem Arbeitsplatz passiert fremdbestimmt? Oder zumindest das meiste? Häufig muss diese Frage leider mit "ja" beantwortet werden. Denn schließlich ist man ja weisungsabhängig beschäftigt. "Das hat Hartlaub-Angebot bis 11:00 Uhr auf meinem Tisch - und keine Widerrede."
 
Wenn Sie das so erleben, dann haben Sie den falschen Chef. Wenn Ihre Mitarbeiter das so erleben, dann sind Sie der falsche Chef.
 
Eine Organisation, in der die einen das umsetzen, was die anderen vorgeben ist keine schlanke Organisation. Denn sie gibt den Mitarbeitern keinen Freiraum, um Dinge zu entwickeln und zu verbessern. Nur eine Organisation, in der diese Freiräume bestehen, darf sich Lean nennen. Sehen Sie den Glanz in den Augen der Mitarbeiter, die eigenständig eine Verbesserung auf dem Shop Floor umgesetzt haben und Sie wissen, was ich meine. Wenn man einmal verstanden hat, wie viele Möglichkeiten Lean hier bietet, dann wird man nie mehr behaupten, Arbeit sei das Gegenteil von Selbstbestimmtheit.
 
Es geht also nicht darum, die Arbeit als notwendiges Übel zu begreifen, wie uns die Jünger von Work-Life-Balance suggerieren wollen, sondern es geht darum, in der Arbeit möglichst viele Freiheitsgrade zu bekommen. Es ist schon klar: Erwerbsarbeit sollte nur ein Teil des Lebens sein - aber bei der Formel: "Arbeit immer böse - Privat immer gut" gehe ich nicht mit.
 
Schaffen Sie eine Organisation, die es deshalb verdient hat, als „Lean“ bezeichnet zu werden, weil Ihre Mitarbeiter alle Freiheiten besitzen, die Dinge zum Besseren zu führen. Sie ersparen sich somit die ganzen trendigen Diskussionen um Work und Life.
 
Möglicherweise fällt dabei auch mal ein kritischer Blick auf Ihre eigene Privatzeit. Vielleicht mit dem Ergebnis, dass das doch alles nicht so viel Freiheit ist, wie Sie bisher gedacht haben. Was für eine Chance, dies zu ändern: Lean Living - Schlankes Leben. Aber das ist Ihre Privatsache, da mische ich mich nicht ein.

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Mittwoch, 13. Dezember 2017

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