Mittwoch, 13. Dezember 2017

Viel Spaß bei der Diskussion verschiedener Themen über das Thema LEAN.

Von Wertschöpfung, Verschwendung und Wohlstand

Von Wertschöpfung, Verschwendung und Wohlstand

Sie alle kennen doch den Unterschied zwischen Wertschöpfung und Verschwendung. Wertschöpfung veredelt das Produkt aus Sicht des Kunden und Verschwendung ist das, wofür er nicht bezahlt. Stimmt aber nicht. Er bezahlt hierfür sehr wohl - nur weiß er es oft nicht.
 
Das wird klar, wenn wir die Sicht der Betriebswirte einnehmen. Für sie ist Wertschöpfung der Wert des Produkts abzüglich der Vorleistungen. Die Vorleistungen sind in der Regel die eingesetzten Materialien - der Wert des Produkts hingegen äußert sich in der Preisbereitschaft des Kunden. So einfach machen sich die Betriebswirte das, denn sie haben nichts von Verschwendung gehört.

Wenn also aus Kundensicht der Wert des Produkts hoch genug ist, wird die Verschwendung im Produktionsprozess mitbezahlt und die Betriebswirte freuen sich über die angebliche Steigerung dieses Werts. Sie interessiert nicht die Effizienz des Produktionsprozesses, außer es handelt sich um Einkäufer von Automobilherstellern oder um ihre Kettenhunde. Aber das ist eine andere Geschichte.
 
Diese faktische Subventionierung der Verschwendung durch den Kunden ändert sich natürlich schlagartig, wenn dessen Preisvorstellung unter den Kosten des Produzenten liegt. Dann müssen die Kosten gesenkt werden. Und was empfiehlt die Kostenrechnung? Senkung der Faktorkosten, also der Kosten für Personal, für Fremdleistungen und ähnlichem. Sie hat nur den Blick auf Kostenarten, aber nicht auf Kostenursachen, wie Verschwendungen oder Verluste. Wie ich in meinem vorigen Blog ausgeführt habe, fragt sie bei den Kosten nur nach dem „Was“, nicht aber nach dem „Warum“. Statt also Prozesse zu verbessern reicht es völlig aus, die darin tätigen Menschen möglichst schlecht zu bezahlen. Haben Sie nicht auch den Eindruck, dass viel zu viele Verantwortliche den Begriff Management mit Kostendrücken gleichsetzen? Ist das nicht armselig?
 
So weit so traurig - es wird aber noch schlimmer, denn jetzt kommen die Volkswirte ins Spiel! Für sie ist das Bruttoinlandsprodukt die Summe der Wertschöpfungen aller Unternehmen - natürlich aus betriebswirtschaftlicher Sicht, also mit allen Verschwendungen. So wird der materielle Wohlstand berechnet. Das heißt: alle betrieblichen Verschwendungen steigern das Bruttoinlandsprodukt. Hören Sie also auf, sich über Lagerung, Transport, Wartezeit und Ausschuss zu ärgern - denn diese Dinge sind Beiträge für unseren Wohlstand.
 
Nein, sind sie natürlich nicht. Nur die Volkswirte merken dies nicht. Nach deren Logik steigert es den materiellen Wohlstand, mehr zu produzieren, als benötigt wird, diese Dinge in den Fabriken sinnlos im Kreis herumzufahren und sie in üppig dimensionierten Lägern auf den Tag ihrer Verschrottung warten zu lassen.
 
Mit anderen Worten: die Instrumente der Betriebswirtschaft und der Volkswirtschaft führen zu einer beispiellosen Vernichtung von Werten und zu einem unfassbar schlechten Umgang unter den Menschen. Es ist an der Zeit, dies zu ändern!
 
Wir brauchen endlich eine Kostenrechnung, die die Kosten der Verschwendung sichtbar macht und sanktioniert. Und wir brauchen endlich eine Nettowohlstandsrechnung, die ausschließlich auf Verschwendungsfreiheit basiert.

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