Dienstag, 17. Oktober 2017

Viel Spaß bei der Diskussion verschiedener Themen über das Thema LEAN.

Darwin an Gemba

Darwin an Gemba

Die Anwendung von PDCA führt zu Verbesserungen. Richtig? Richtig!
 
Falls bei „Check“ die Lösung nicht das erwartete Ergebnis liefert, hat die Organisation gelernt. Richtig? Richtig!
 
Funktionierende Lösungen sind zu standardisieren und als Best Practice auf andere Bereiche zu übertragen. Richtig? Nein, falsch! Jedenfalls der zweite Teil, also der mit der Übertragung auf andere Bereiche.
 
Ich spreche nicht von mangelnder Übertragbarkeit – es ist klar, dass man dann die Finger davon lässt. Ich spreche auch nicht davon, dass man bei der Übertragung die Mitarbeiter sich nicht daran gewöhnen, eigene Lösungen zu entwickeln – von der mangelnden Akzeptanz gegenüber dem Übergestülpten ganz zu schweigen.
 
Ich spreche von Auslese, vom Überleben des am besten angepassten. Ich spreche von Darwin.
 
„Darwinismus in der Fabrik? Gehen Sie weg, davon will ich nichts wissen!“
 
Langsam, lieber Leser!

Wir sind uns doch einig: um als Unternehmen überlebensfähig oder gar erfolgreich zu sein, bedarf es Experimentierfreude.  Deswegen sind wir begeistert von PDCA, verbessern auf Basis von Hypothesen (Plan) und überprüfen die Wirksamkeit der Veränderung in der Praxis (Check).
 
Und nun kommt Charles Darwin ins Spiel, obwohl er nicht als Fabrikexperte bekannt war. Oder vielleicht gerade deshalb. In seiner Evolutionstheorie schlussfolgerte er nämlich, dass es unter den Lebewesen einen Wettbewerb ums Überleben gibt (‚struggle for life’), dass in diesem Wettbewerb diejenigen Lebewesen überleben, die am besten an die bestehenden Bedingungen angepasst sind (‚survival of the fittest’), und dass  über viele Generationen die Eigenschaften, die zum Überleben befähigen, erhalten bleiben und die anderen aussortiert werden – natürliche Auslese genannt. Später hat man herausgefunden, dass diese Anpassungen durch Mutation des Genmaterials erfolgen. Und dass diese Mutationen in Regel nicht als Folge der veränderten Bedingungen erfolgen, sondern zufällig – als Reproduktionsfehler. Das bedeutet: die am besten geeignete Eigenschaft ist dann „schon da“ und setzt sich durch.
 
So, und jetzt sind Sie an der Reihe. Ersetzen Sie „Lebewesen“ durch „Arbeitsmethode“ und erkennen Sie: Diese Theorie lässt sich auf Fabriken übertragen. Deswegen sollten die Verantwortlichen - also Sie - funktionierende(!) technische und organisatorische Systeme häufig modifizieren und im Sinne des PDCA-Kreislaufs bewusst kleine Reproduktionsfehler in die Lösungen einbauen. Was für ein charmanter Gedanke: Statt eine gute Lösung im Sinne des Best-Practice-Sharing eins zu eins auf andere Bereiche zu übertagen, sollte sie beim Kopierprozess leicht verändert werden.
 
Dieses permanente Experimentieren durch Mutieren verbessert die Anpassungsfähigkeit der Fabrik. Denn durch gesteuerte Mutation steigt die Wahrscheinlichkeit, eine geeignete Arbeitsmethode bereits dann zu haben, wenn die Umfeldbedingungen sich ändern – und das tun sie ja bekanntlich ständig. Denn wenn erst dann nach einer geeigneten Arbeitsmethode gesucht, sprich: etwas verändert wird, ist es oft zu spät - erst recht, wenn die Veränderungsdynamik der Fabrik gering ist.
 
Statt: „Das ist erfolgreich, deswegen übertagen wir es auf andere Bereiche.“, sollte es künftig heißen: „Das ist erfolgreich, wir übertragen es leicht verändert auf andere Bereiche.“
 
Oder etwa nicht?

Bewerte diesen Beitrag:

Kommentare

 
Keine Kommentare vorhanden
Bereits registriert? Hier einloggen
Gäste
Montag, 16. Oktober 2017

Sicherheitscode (Captcha)

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.