Mittwoch, 13. Dezember 2017

Viel Spaß bei der Diskussion verschiedener Themen über das Thema LEAN.

Angenommen, wir wären mit Lean fertig…

... und hätten die völlig verschwendungsfreie Fabrik mit Einzelstückfluss und null Fehlern. Na ja, Sie haben ja recht: mit Lean sind wir nie fertig, vielmehr nähern wir uns asymptotisch der beschriebenen Vision.

Also gut - zweiter Versuch: Angenommen, wir hätten mit Lean enorme Fortschritte erzielt und die Produktivität - sagen wir mal - verzehnfacht. Wär das nicht toll? Wir könnten nun mit dem gleichen Aufwand das Zehnfache produzieren. Der Unternehmensumsatz würde durch die Decke gehen und die Gewinne nur so sprudeln. So weit, so gut - aber wer soll das alles kaufen? Irgendwann sind alle Märkte gesättigt - und ganz nebenbei alle Rohstoffe verbraucht. Das ergibt also keinen Sinn - verstehe.

Wie wäre es denn dann, wenn wir die Menschen dazu bewegen könnten, nicht mehr Produkte zu kaufen, sondern dies häufiger zu tun - eine 100%ige Kreislaufwirtschaft und die Zero-Emission-Fabrik selbstverständlich vorausgesetzt? Damit dies funktioniert müsste der Produktivitätsfortschritt in Form von höheren Löhnen an die Mitarbeiter weitergegeben werden. Ist ja auch fair, denn schließlich sind es die Mitarbeiter, die in zahllosen Workshops die Produktion weiterentwickeln. Und diese Mitarbeiter würden nun, statt wie bisher alle fünf Jahre etwa alle sechs Monate ein

neues Auto kaufen, alle zwei Jahre eine neue Küche und jede Hose nur fünfmal tragen. Das Hamsterrad für den Mitarbeiter, der ja auch gleichzeitig der Kunde ist, würde sich beschleunigen. Produzieren, kaufen, produzieren, kaufen ... bis ans Ende der Tage. Gefällt Ihnen diese Vorstellung? Also, mir überhaupt nicht!

Was halten Sie von folgender Idee? Wir steigern die Produktionsmenge nicht, sondern wandeln den Produktivitätsfortschritt in Zeit um. Nein, ich habe nicht vor, 90% der Mitarbeiter zu entlassen und für soziale Unruhen zu sorgen, sondern alle Mitarbeiter zu behalten und sie nur noch 10% der Zeit arbeiten zu lassen. Was früher eine ganze Woche brauchte ist heute an einem halben Tag erledigt. Sie haben richtig gelesen: Ich spreche von der 4-Stunden-Woche, selbstverständlich bei voller Bezahlung.
 
Was wäre dies für eine große Chance - für uns alle. Wir hätten Zeit und Muße, könnten unsere Persönlichkeiten weiterentwickeln, uns bei der Weiterentwicklung unseres Gemeinwesens engagieren oder ehrenamtlich tätig sein. Vor allem: wir könnten uns wieder um unsere eigenen Kinder und Eltern kümmern, statt hierfür externe Dienstleister zu beauftragen. Das mit der Industrialisierung aus Zeitmangel entstandene Outsourcing des Sich-Kümmerns um Familienmitglieder und die damit entstandene Sozialindustrie wären nur eine Episode. Wir würden in eine neue Phase der Industriegesellschaft eintreten, in der die Befriedigung der materiellen Bedürfnisse in den Hintergrund tritt und wir wieder wir selber sein können. Die Welt wäre eine bessere - dank Lean Production. Also mir gefällt diese Vorstellung - und Ihnen?

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Kommentare 1

 
KHD am Dienstag, 10. November 2015 14:55

Hallo Herr Syska,
eine wirklich tolle Vorstellung - "Zeit und Muße zu haben, um die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln"! Doch leider hat die Sache einen Haken. Mit Lean wird man niemals fertig.
Freue mich dennoch auf eine angeregte Diskussion - in unserem brandneuen Blog: Syskas Sicht der Dinge.
Karl Heinz Döppler
Herausgeber LEANmagazin

Hallo Herr Syska, eine wirklich tolle Vorstellung - "Zeit und Muße zu haben, um die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln"! Doch leider hat die Sache einen Haken. Mit Lean wird man niemals fertig. Freue mich dennoch auf eine angeregte Diskussion - in unserem brandneuen Blog: [b]Syskas Sicht der Dinge.[/b] Karl Heinz Döppler Herausgeber LEANmagazin
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